Alles ist erlaubt,
aber nicht alles baut auf.
(1. Kor. 10.23-24)
Alles ist erlaubt, aber nicht alles nützt. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen!
„Ich darf alles. Ich muss gar nichts.“ Bei näherer Betrachtung steht das doch eigentlich im krassen Gegensatz zu dem „Du sollst nicht“ der Zehn Gebote. Wo fängt diese Freiheit an, und wo hört sie auf?
„Alles ist erlaubt“, betrachtet man das Verhalten und die Handlungsweise der Verursacher von Bankenkrisen und Staatsdefiziten. Klar muss man sich den Gegebenheiten anpassen, will man bestehen und die vermeintlichen Freiheiten für sich auch nutzen.
Aber wenn alles erlaubt ist, kommen wir dann nicht schnell in die Versuchung, immer mehr haben zu wollen? Können wir dann überhaupt glücklich und zufrieden sein? Oder ist es dann wie bei dem Fischer und seiner Frau? Sie wollen immer mehr, bis sie am Ende nichts mehr haben.
Doch neue Freiheiten führen zu Abhängigkeiten, zu neuen Unfreiheiten. Freiheit für sich allein gibt es so nicht, obwohl das viele Menschen gern für sich in Anspruch nehmen.
Im 1. Korinther 10, 23-24 wird die vollkommene Erlaubnis relativiert: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles nützt; alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.“
Es geht nicht darum, was wir tun, sondern zu welchem Zweck. Mit welchem Ziel tun wir etwas, und nützt es etwas? Allzu oft überkommt uns das Gefühl, zwar eine vermutlich richtige Entscheidung getroffen zu haben, aber die Last tragen zu müssen, dass wir dabei Andere verletzt oder enttäuscht haben. Nützt es denn dann etwas? Baut es auf, wenn wir zwar unseren Willen bekommen, aber dabei Anderen schaden?
Die frohe Botschaft sagt: „Das alles musst du nicht leisten, das schenkt dir Gott durch Jesus Christus und das alles sogar umsonst.“ Wir Menschen werden zum Leben, zur Nachfolge befreit. So können wir neu in Gemeinschaft miteinander leben, weil die Freiheit ihre Grenzen hat, wo sie unseren Mitmenschen schadet. In Gemeinschaft kann alles getan werden, damit der Nächste die Fülle des Lebens, Gottes Geschenk, erfährt.
So gesehen ist alles erlaubt, was dem Anderen nützt und nicht schadet, So sind die Zehn Gebote nicht mehr Einschränkung, sondern machen neues Leben möglich.
Freundliche Rücksichtnahme ist dann selbstverständlich, sodass aus dem „Du sollst nicht…“ ein „Du brauchst nicht…“ wird.
Wenn alles erlaubt ist und wir uns darauf besinnen, was wirklich etwas nützt und was nicht mir, sondern den Anderen und vielleicht uns allen etwas nützt, können wir dann nicht wirklich in Freiheit leben?
Yvonne Großmann, Diakonin
Georg Liedtke, Diakon





