„Meine Kraft ist in den Schwachen
mächtig“ ruft uns die Losung für das
neue Jahr 2012 zu. Ein Satz, den der
Apostel Paulus im 2. Brief an die Korinther
aufgeschrieben hat. Zugleich ein
Gedanke, der unsere normalen Vorstellungen
über Kraft und Macht auf den
Kopf stellt.
Paulus spricht mit diesen Worten über sich und seine persönliche Erfahrung. Denn der Apostel war ja keineswegs immer nur ein strahlender Held des Glaubens.
Im Gegenteil: Als Person bot er seinem Gegner reichlich Angriffsfläche. Paulus war kein ausgebildeter Redner, sondern nur ein einfacher Handwerker und hat sich mit der freien Rede wohl ziemlich schwer getan. Seine Predigt war keineswegs immer erfolgreich. Mehrfach wurde er aus den Städten verjagt oder ins Gefängnis geworfen. Zeitweise hatte es schon den Anschein, als wäre Paulus mit seiner Mission gänzlich gescheitert.
Liest man seine Briefe aufmerksam, so erfährt man so einiges von schweren Stunden, die der Apostel durchgemacht hat und man ahnt, dass er zeitweise von Depressionen gequält wurde. Auch äußerlich war Paulus wohl eher eine etwas kümmerliche Gestalt. Und Paulus war oft krank. Er spricht von Satans Engel, der ihn mit Fäusten schlägt und man vermutet, dass er damit epileptische Anfälle beschreibt, unter denen er zeitweise gelitten hat. Wenn man ehrlich ist, dann muss man zugeben, dass man einen wie ihn in unserer Zeit für eine Führungsposition in der Politik, der Wirtschaft oder in der Kirche wohl kaum in Betracht ziehen würde. Und doch macht Paulus die für ihn selber ganz überraschende Erfahrung, dass Gott trotz allem gerade ihn, so wie er ist, dazu auserwählt hat, die gute Botschaft von Christus in die Welt zu tragen.
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ - was Paulus da schreibt, hören wir als Gottes Wort für das neue Jahr und beginnen vielleicht zu ahnen, dass Gottes Kraft auch heute noch gerade dort zum Zug kommen kann, wo wir ihm nicht mit unserem eigenen Willen und unserer eigenen Stärke im Weg stehen. Gott braucht auch im neuen Jahr keine mächtigen Helden. Sondern er sucht Menschen wie dich und mich, die bereit sind, loszulassen und sich in allem, was geschieht, Gott anzuvertrauen. Wenn wir uns von ihm leiten lassen, dann kann das Heil seinen Lauf nehmen.
Schon aus der Weihnachtsgeschichte lernen wir, wie das geht: Maria und Josef, zwei ganz einfache Menschen, lassen sich von Gott ansprechen und vertrauen sich seinen Wegen an. In der Heiligen Nacht steht der Stern über dem Stall, in dem das Kind geboren wird. Das schwache Knäblein ist der Retter der Welt. Gottes Kraft ist in ihm mächtig und in allen, die ihn hinaus ins Leben tragen.
Ein gesegnetes neues Jahr 2012 wünsche ich Ihnen
Pastor Stefan Deutschmann





